Mittwoch, 13. Juli 2016

Erste Hilfe: Dehydration beim Vogel


Bildausschnitt: Foto von Tom Slattery (Blog)
In der Medizin bezeichnet Dehydratation einen Wassermangel des Körpers. Synonyme sind Dehydratisierung, Dehydration, Hypohydratation und Austrocknung. Ausgetrocknet ist ein Vogel, der ca. 10% seines Flüssigkeitsvolumen verloren hat, jedoch findet man auch andere Angaben in der Literatur.

Spricht man von Hyperhydratation meint man die „Überwässerung“ des Körpers. Hyperhydratation ist also das „Gegenteil“ von Dehydration.

Eine Dehydration kann eine ernstzunehmende Lebensbedrohung bei einem Vogel werden, wenn man diese nicht rechtzeitig erkennt und entsprechend handelt.




01. Vorkommen:

Betroffen können alle Vögel sein, insbesondere Nestlinge.

02. Mögliche Ursachen:

Es gibt einige Ursachen. Diese sind die wichtigsten:
  • erhöhte Körpertemperatur infolge Krankheiten
  • Dehydration infolge Krankheiten, die durch Keime oder Parasiten hervorgerufen wurden (Beispiel Durchfall)
  • zuwenig oder verschmutzes Wasser
  • gereichtes Wasser, Tee etc. wird abgelehnt
  • zuwenig oder unzureichende Nahrung mit flüssigkeitsspendenden Eigenschaften (Gurke, Obst etc.)
  • mangelende oder gar keine Fütterung der Nestlinge durch die Eltern
  • falsche Fütterung während der Handaufzucht
03. Mögliche Symptome:
  • Schuppige fältige und trockene Haut
  • Austrocknung der Schleimhäute (Augen, Schnabel), die Augen sind bei starker
  • Austrocknung tiefer in den Augenhöhlen gelegen.
  • Mattigkeit
  • Kreislaufprobleme, schlimmstenfalls Kollaps
  • verminderte / stark verringerte Urinmenge
04. Diagnose:
  • durch „Birdwatching“ Symptome
  • Blutuntersuchung (Hämatokritwert im Blut untersuchen)
05. Therapie:

  1. Ausreichendes frisches Trinkwasser täglich frisch anbieten, ggf. mit Zusätzen (Vitamine, Mineralstoffe), wenn dies angezeigt ist.
  2. Badewasser zur Verfügung stellen, bei Papageien ein Duschbad mit einer Blumenspritze (einstellen, dass es ein Wassernebel beim Sprühen gibt)
  3. Saftige Nahrung wie Gurken und Obst täglich frisch anbieten in einem separatem Schälchen
  4. Bei Nestlingen:
    Darauf achten, dass die Eltern gut füttern. Dazu nimmt man die Nestlinge aus dem Nest und schaut sich den Kropf an. Dazu pustet man vorsichtig die kleinen Federn zur Seite. Wurde der Nestling nicht ausreichend oder gar nicht gefüttert, kann man mit der Futterspritze nachfüttern. Achtung: Bitte lassen Sie sich das bei einem Vogelzüchter zeigen ! Nestlinge, die gar nicht gefüttert werden, regelmässig füttern. Notieren Sie, was Sie wie füttern.
  5. nur bei grösseren Vögel:
  6. Infusionen mit Ringerlösung mehrmals täglich s.c., wobei man meistens nicht i.v. vorgeht, da dies noch problematischer wird. Infusionen sind die letzte Möglichkeit, wenn alles andere fehl schlägt.
06. Prophylaxe:

Nahrung / Wasser:
  • Ausreichendes frisches Trinkwasser täglich frisch anbieten und zudem auch saftige Nahrung wie Gurken und Obst (täglich frisch neben dem Körnerfutter anbieten in einem separatem Schälchen).
Körperpflege:
  • Badewasser zur Verfügung stellen, bei Papageien ein Duschbad mit einer Blumenspritze (einstellen, dass es ein Wassernebel beim Sprühen gibt)
Sonstiges:
  • Die Luftfeuchtigkeit sollte bei de meisten Ziervögel ca. 50- 60 % betragen, damit die Vögel über die Atmung und Körper nicht zu schnell austrocknen.
  • NIEMALS darf ein Vogel der prallen Sonne ausgesetzt sein. Im Sommer sollte der Käfig auch Schattenplätze haben. Dazu stellt man einen Sonnenschirm auf. Auch im Zimmer ist die beliebte Fensterbank nicht der richtige Platz, denn auch hier wird es zu heiß, und der Vogel verliert zuviel Körperflüssigkeit.

07. Praxistipp:

Manche Vögel sind sehr wählerisch. Es kann also sein, dass Sie weder Tee, noch irgendwelche Vitaminpräparate annehmen. Sie dursten lieber, als sie trinken. Bitte kontrollieren Sie daher, ob der Vogel trinkt oder nicht.


2014, 2015, 2016 Nicole Müller